NETZWERK FÜR EINE ZUKUNFTSFÄHIGE KATHOLISCHE KIRCHE
ERZBISTUM MÜNCHEN UND FREISING

O F F E N E R    B R I E F                                                                                                              München, 30. Juli 2021

Sehr geehrter Herr Kardinal Marx,

in Ihrem „Wort an die Gläubigen“ sind Sie erneut auf Ihr Rücktrittsgesuch an Papst Franziskus und die Situation der Kirche eingegangen. Das „Netzwerk für eine zukunftsfähige katholische Kirche“ begrüßt Ihre Bereitschaft für ein neues Ja zu Ihrem Auftrag als Bischof des Erzbistums München und Freising sowie Ihr Bekenntnis zu Reform und Erneuerung in und für die Kirche. Wir nehmen Sie beim Wort.

Bei der Übergabe der Petition für die Pastoralberufe am 4. Mai 2021 haben Sie die Vertretungen der in München, aber auch bundesweit tätigen Reformgruppen erneut kennen gelernt. Inzwischen arbeiten diese mit weiteren Organisationen zusammen, die für einen grundsätzlichen Wandel und Paradigmenwechsel in der katholischen Kirche eintreten.

In Ihrem Rücktrittsgesuch an Papst Franziskus schreiben Sie von einem gewissen „toten Punkt“, der aber auch, das ist Ihre österliche Hoffnung, zu einem „Wendepunkt“ werden kann. Diese Hoffnung teilen wir. Verbunden mit der Verantwortung für eine weltweit tief in der Krise steckende katholische Kirche trägt diese Hoffnung alle, die sich als Einzelne, in verschiedensten Bewegungen und Organisationen, in der Pastoral und Wissenschaft z. T. schon seit Jahrzehnten vehement für Reformen einsetzen. Nur so ist vielen Haupt- wie freiwilligen Ehrenamtlichen derzeit überhaupt noch ein Engagement möglich, in dem seit langem beschriebenen „Epochenwandel“ ihre Kompetenzen, ihre Ideen und ihre Konzepte zur Erneuerung der Kirche zu entwickeln und umzusetzen.

Nachdem Sie sich erneut zu Ihrem Auftrag in der Kirchenleitung bekannt haben, möchten wir Sie mit den Worten von Papst Franziskus ermutigen: „Man verlangt von uns eine Reform, die … nicht in Worten besteht, sondern in Verhaltensweisen, die den Mut haben, sich dieser Krise auszusetzen, die Realität anzunehmen, wohin auch immer das führen wird.“

Im Gottesvolk fehlt es nicht an Mut, auch nicht an Visionen, an Spiritualität, an Empathie für den Nächsten, an aufgeklärter Theologie und dem Gewissen verpflichteter Pastoral und Handeln. Jetzt braucht es auch den Mut von Amtsträgern und von allen Beschäftigten in der Kirche, die sich noch viel zu sehr in Abhängigkeiten befinden. Es braucht den Mut der Bischöfe, die nichts zu verlieren haben außer ihrem Amt – das Sie, wie Sie wissen ließen, auch künftig bereit sind, zur Disposition zu stellen. Das ist eine große Freiheit, aus der heraus Sie mit großem Engagement alle Hoffnungen und allen Glauben an eine grundlegende Reform der Kirche wahr machen können.

Noch vor der Sommerpause und in Vorbereitung auf eine „reiche Ernte“ im Herbst (u.a. Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, zweite Vollversammlung des Synodalen Wegs und die seit langem erwartete Veröffentlichung des neuen Missbrauchsgutachtens für die Erzdiözese München und Freising) richten wir diesen Weckruf an Sie: Wann setzen Sie die konkreten Reformen in Kraft, die wir Ihnen in der Petition am 4. Mai 2021 übergeben haben und wie sie zum Teil schon in anderen Bistümern begonnen werden? Sehr gerne unterstützen wir Sie dabei, dass unser Erzbistum in offener Kommunikation mit allen Gremien und Engagierten zum „Reformbistum München-Freising“ wird bei der Entwicklung von zukunftsfähigen Modellen mit Führungsqualität und Selbstverantwortung. Dies haben wir zuletzt in drei  Treffen am 12., 22. und 27. Juli besprochen und geben Ihnen dazu unser Wort.

Stellvertretend für das Netzwerk für eine zukunftsfähige kath. Kirche im Erzbistum München und Freising:

Maria und Rudolph Berg

Dr. Edgar Büttner

Willi Kuper

Ulrike Leininger

Franziska Müller‐Härlin

Katrin Richthofer

Sr. Susanne Schneider MC

Hiltrud Schönheit

Renate Spannig

Christian Taufenbach

Paul‐G. Ulbrich

Christian Weisner



Druckversion des offenen Briefes


Predigt von Elisabeth Stanggassinger, seit 30 Jahren Gemeindereferentin,  beim Frauengottesdienst am 22.07.2021 in St. Michael in München zu Maria Magdalena

Liebe Frauen und Männer hier in dieser Kirche,

wer ist, wer war Maria von Magdala? Das gnostische Pilippposevangelium schildert sie als eine Frau, die Jesus so nah war, dass die übrigen Jünger Jesus eifersüchtig fragen: „Weshalb liebst du sie mehr als uns alle?“. Dort wird sie sogar als Gefährtin Jesu bezeichnet, was vom Wortsinn her durchaus als Lebensgefährtin übersetzt werden kann. In der Schrift Pistis Sophia, die im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus entstanden ist, dominiert Maria Magdalena die ersten beiden Kapitel. 39 der 46 an Jesus gerichteten Fragen stellt sie. Es heißt in dieser Schrift, dass Petrus so verärgert darüber war, dass er Jesus sagt: „Mein Herr, wir werden diese Frau nicht ertragen können, da sie uns die Gelegenheit nimmt … “ Woraufhin Jesus, fast wie ein nachsichtiger Vater, zu Petrus sagt, dass jemand, der inspiriert ist, nicht zögern darf, zu sprechen.

Und im „Evangelium nach Maria“ (es ist anzunehmen, dass Maria von Magdala gemeint ist) ebenso wie in der Pistis Sophia wird Maria Magdalena als eine Frau geschildert, die die Gruppe der Jünger nach Tod und Auferstehung Jesu erst einmal wieder zusammenholen muss, damit sie ihrem Sendungsauftrag nachgehen. Nach der Szene, die wir gerade im Evangelium gehört haben, schildert ein koptischer Psalm, wie Maria Magdalena von Jesus ausgesandt wird, um die Elf, „diese wandernden Waisen“, zu finden und sie vom Ufer des Jordan zurück zu bringen. „Sag ihnen“ befiehlt Jesus in diesem Psalm der Maria Magdalena, „stehet auf, lasset uns gehen, es ist euer Bruder, der euch ruft. Wenn sie meine Bruderschaft verschmähen, sag ihnen: Es ist euer Meister. Wenn sie meine Meisterschaft missachten, sag ihnen: Es ist euer Herr. Setz all dein Geschick und all deinen Rat ein, bis du die Schafe zum Hirten gebracht hast.“

Die gnostischen Evangelien wurden zwischen dem späten 1. und 4. Jahrhundert verfasst und zwar als eine Art Gegenbewegung zu einer wachsenden Institutionalisierung innerhalb der Kirche. Das ist natürlich mit Vorsicht zu genießen: Man darf jetzt nicht meinen, die gnostische Richtung wäre für die Kirche das Richtige gewesen; denn auch da war letztendlich absolut kein besseres Frauenbild … von den skurrilen Geschichten in manchen dieser Texte ganz zu schweigen! – Das nur am Rande.

Jedenfalls: Am Ende des 2. Jahrhunderts ist die von Jesus aufgebrochene unheilige Ordnung wieder hergestellt: Da schreibt der Kirchenvater Tertullian: „Es ist einer Frau nicht gestattet, in der Kirche zu sprechen, noch ist es ihr erlaubt, zu lehren, noch gar zu taufen oder die Eucharistie darzubringen, noch für sich Anspruch auf irgendwelche männlichen Funktionen – am wenigsten auf das priesterliche Amt – zu erheben.“

Unter den Gnostikern gab es zur gleichen Zeit keine derartige Hierarchie. Alle – ob Mann, ob Frau, konnten als Bischöf*innen, Priester*innen oder Prophet*innen fungieren. Der verblüffte Tertullian schreibt nach einem Besuch in einer gnostischen Gemeinde, dass Frauen dort lehren, „an Diskussionen teilnehmen“, Teufel austreiben, heilen und möglicherweise sogar die Taufe vollziehen. Darüber ist er ganz entsetzt. Und er kritisiert diese Frauen wegen ihres Mangels an Bescheidenheit und ihrer Kühnheit bei der Erfüllung dieser Aufgaben.

Wir wissen alle, wie es ausging. Hippolytus von Rom versah Maria Magdalena zwar noch mit großartigen Titeln: Apostolin der Apostel, „die neue Eva“ … aber nur noch, um die Gemüter zu beruhigen und die zurückgesetzten Frauen bei der Stange zu halten.

Am Anfang des dritten Jahrhunderts also war die Botschaft Jesu in ihrer Grundaussage konterkariert und verbogen. Anders kann man es nicht sagen. Und seitdem müht sich die Kirche, eine Botschaft zu verkünden, die aber niemand mehr in seiner tiefsten Bedeutung begreifen kann, weil es seitdem in der Kirche keinen wirklichen Umgang auf Augenhöhe mehr gab, weder zwischen den Geschlechtern noch im Machtgefüge. –

Dabei ist das der Boden, auf dem die Botschaft Jesu steht: Du bist Mensch. Und wir sind Geschwister. „Tut einander, wie ich euch getan habe!“ Jesus Christus hat sich immer als Bruder verstanden, auf gleicher Ebene. Und so frage ich mich manchmal: Was waren das eigentlich für 7 Dämonen, die Jesus der Maria von Magdala ausgetrieben hat?

Man hat sie im Laufe der Kirchengeschichte mit den sieben Todsünden gleichgesetzt – nachdem man Maria von Magdala zur reuigen Sünderin hochstilisiert hatte - doch nirgends im Neuen Testament wird Besessenheit von Dämonen als eine Sünde bezeichnet. Es waren sexualisierte Männerphantasien, die die 7 Dämonen in diese Richtung interpretiert haben.

Aber vielleicht war das ganz anders, vielleicht waren es die 7 Frauendämonen, die Jesus der Maria von Magdala ausgetrieben hat:

  • Ich bin minderwertig
  • Ich muss schauen, dass es allen gut geht
  • Ich muss mich ganz hintenanstellen
  • Ich muss bescheiden sein
  • Ich muss für alles sorgen
  • Ich muss mich beugen
  • Ich muss fragen, was ich darf und was nicht

Diese sieben Dämonen, so mag ich mir vorstellen, sind aus Maria von Magdala ausgefahren, einfach nur, weil Jesus Frauen ebenso ernst nahm, wie Männer: Eine Apostolin war geboren. Eine Verkünderin, die mit großer Wahrscheinlichkeit dafür gesorgt hat, dass die anderen Apostel überhaupt erst einmal begriffen haben, was hier eigentlich geschehen ist und was ihre Aufgabe ist.

Und diese 7 Dämonen müssen heute wieder ausgetrieben werden. Denn erst dann, wenn Frauen und Männer alles gleichermaßen tun, was es in dieser Kirche zu tun gibt, erst dann ist diese Kirche wieder – vielleicht sogar zum ersten Mal – wirklich die Kirche Jesu Christi. Solange es aber die Hierarchie, diese unheilige Ordnung, in der Kirche gibt, ist diese Kirche nicht jesuanisch und auch nicht christlich, ja nicht einmal menschlich.

Und deshalb, um der Liebe Christi willen, dürfen wir nicht aufhören, dieses zu sagen und einzufordern: Gott beruft Männer und Frauen gleichermaßen zu allem. Immer schon. Und es ist die größte Sünde der Kirche, dass sie Gottes Berufungen, wenn es sich um Frauen handelt, ablehnt.

Aus Maria von Magdala wurde die große Sünderin und Büßerin gemacht, damit niemand mehr ihre eigentliche Bedeutung erkennt, ja ihre eigentliche Berufung, die sie voll und ganz gelebt hat an der Seite Jesu und auch in der jungen Kirche. Sie wurde eingeordnet in das, was Mann damals als ihre Rolle definiert hat. Und das ist bis heute so geblieben. Hochgelobt, aber nicht ernst genommen. Wie die Frauen in der Enzyklika Mulieris Dignitatem – hochgelobt aber nicht ernst genommen!

Das muss sich ändern. Und zwar nicht in erster Linie, weil es für uns Frauen wichtig wäre. Sondern es muss sich ändern, damit die Kirche endlich voll und ganz Kirche Jesu Christi wird.

Eine Kirche, in der alle, wirklich alle, auf einer Ebene sind, egal, welchen Dienst sie gerade versehen, eine Kirche, die sich berühren lässt vom Leid aller; derer, denen sie innerhalb ihrer selbst unsägliches Leid zugefügt hat und derer, die nie zu ihr gekommen sind, weil Jesus in ihr so wenig spürbar war und ist.

Längst ist sie da, die Zeit der fundamentalen Umkehr. Es liegt an uns, ob diese Kirche eine Kirche Jesu Christi wird.


 

 

update kirche grafik

Wo bist du - Gott ? - Workshop online



In der aktuellen großen Glaubwürdigkeitskrise der katholischen Kirche stellen sich immer mehr Menschen grundsätzliche Fragen. Zentral dabei: woran sie eigentlich glauben, wie sie für sich Gott erfahren, wie sie diese Erfahrungen ausdrücken und wie man diese Erfahrungen mit anderen teilen kann.

Im Rahmen der Reihe "Update katholische Kirche" laden die Münchener Reformgruppen Gemeindeinitiative, Maria 2.0, Münchner Kreis und Wir sind Kirche, München ein zu einem Online Workshop WO BIST DU - GOTT ? am Donnerstag 24.06.2021 um 19.30 Uhr bis ca. 21.00 Uhr.

Der Zugang ist möglich ab 19.20 Uhr unter dem Link:
https://zoom.us/j/92638974661?pwd=NEs3NFFsdjJtbFVmdU84emo1OEJRUT09

Meeting-ID: 926 3897 4661   Kenncode: 105256

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Plakate zum Download:

Handzettel A5
Plakat A4
Plakat A3


 

Die Doppelmoral der katholischen Kirche


Stur hält die Amtskirche an ihrer Lehre fest und will gleichgeschlechtlichen Paaren den Segen verweigern. Wäre sie nur genauso konsequent, wenn es um die Taten geweihter Missbrauchstäter geht.

Regenbögen färben in diesen Tagen vielerorts die Kirchen - sie hängen an Türmen, Altären, Emporen, sie schmücken Priestergewänder und die Hälse von katholischen Gläubigen. Segnungen homosexueller Paare gab es schon - in einzelnen Gemeinden, Hauskapellen. Neu ist aber, dass die Segnungen dieser Tage, rund um den 10. Mai, öffentlich geschehen, nicht mehr im Verborgenen. Raus aus den Hinterzimmern, rein in die Kirchenschiffe haben die Organisatoren der Aktion #liebegewinnt ausgegeben.

Lesen sie den Kommentar von Annette Zoch in der Süddeutschen Zeitung




Segnungen als Zeichen des Protests

Stand: 10.05.2021 09:18 Uhr

In vielen katholischen Gemeinden werden derzeit gleichgeschlechtliche Paare gesegnet. Das ist nur auf den ersten Blick ein privates Ereignis. Denn damit widersetzen sich die Geistlichen dem Vatikan.

Von Sandra Biegger, SWR

"Menschen, die sich lieben, nicht zu segnen, ist eine Frechheit. Und es ist verletzend", sagt Carsten Leinhäuser. Der 42-Jährige ist katholischer Pfarrer im rheinland-pfälzischen Winnweiler - Und einer der Initiatoren der bundesweiten Aktion "#liebegewinnt".

Unter diesem Motto segnen katholische Geistliche, Seelsorgerinnen und Seelsorger bundesweit Paare - und zwar unabhängig davon, ob sie in einer hetero- oder einer homosexuellen Beziehung leben. Die Segensfeiern finden online, aber auch in katholischen Gemeinden statt.

Schluss mit dem Segen durch die Hintertür

Für Katholiken ist eine Segnung zum einen ein Lobpreis Gottes - und zum anderen die Bitte um Schutz. Geistliche segnen nicht nur Menschen, sondern unter anderem auch Tiere, Motorräder, Felder, Aufzüge oder Klohäuschen. Schwulen und lesbischen Paaren hingegen verweigert die römische Glaubenskongregation den Segen - zumindest offiziell.

Mehr dazu bei der Tagesschau


 

"Wir wollen die Gläubigen wachrütteln"
Renate Spannig, 55, ist Sozialarbeiterin. Nebenbei engagiert sich die gläubige Christin bei Maria 2.0 und fungiert als Sprecherin der Initiative, die sich für mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche einsetzt. (Foto: Privat)Renate Spannig, 55, ist Sozialarbeiterin. Nebenbei engagiert sich die gläubige Christin bei Maria 2.0 und fungiert als Sprecherin der Initiative, die sich für mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche einsetzt. (Foto: Privat)

Renate Spannig, 55, ist Sozialarbeiterin.
Nebenbei engagiert sich die gläubige Christin bei Maria 2.0
und fungiert als Sprecherin der Initiative, die sich für mehr
Gleichberechtigung in der katholischen Kirche einsetzt. (Foto: Privat)

An diesem Sonntag können sich homosexuelle Paare in der katholischen Pfarrkirche St. Benedikt segnen lassen - ganz entgegen der offiziellen Linie aus Rom. Renate Spannig von der Initiative Maria 2.0 will mit der Aktion ein Zeichen gegen Ausgrenzung setzen.

Das Interview von Linus Freymark lesen sie hier in der Süddeutschen Zeitung


 

Schwule und Lesben segnen? Papst Franziskus hat das Veto nicht approbiert

Das Nein der Glaubenskongregation zum Segen für schwule und lesbische Paare sorgt weltweit für Empörung. Der Münchner Kirchenrechtler Wolfgang Rothe macht auf ein Detail aufmerksam: Zwar sei Papst Franziskus über das umstrittene Papier informiert worden – er habe es aber nicht approbiert. Ein Gastkommentar

Den ganzen Artikel lesen sie hier


 

Begegnung Kardinal Marx u Reformgruppen München



Neben dem Katholikenrat der Region München waren der Münchner Kreis, Maria 2.0 München, Wir sind Kirche, die Ordensfrauen für Menschenwürde und die Gemeindeinitiative vertreten. (c) Privat
Neben dem Katholikenrat der Region München waren der Münchner Kreis, Maria 2.0 München, Wir sind Kirche, die Ordensfrauen für Menschenwürde und die Gemeindeinitiative vertreten. (c) Privat
Diakon Willi Kuper überreicht Petition an Kardinal Marx (c) EOM (Lennart Preiss)




Gestern Abend (04.05.2021) kam es erstmals zu einem Austausch zwischen Vertretenden mehrerer Reformgruppen, des Katholikenrats München und dem Münchner Erzbischof Kardinal Marx, bei dem ihm offiziell die vom Münchner Kreis initiierte Petition zur Erweiterung der Befugnisse der pastoral wirkenden Nichtkleriker sowie die Thesen von Maria 2.0 überreicht wurden. Auch wenn sich unterschiedliche Sichten auf Kirche trafen, zeigt eine solche Begegnung zumindest, dass man in Austausch kommen kann. Fairen Diskurs zu praktizieren als wesentliche Möglichkeit, um Kirche weiter zu bringen, ist ein zentrales Zeichen unserer Zeit und Aufgabe für alle.

Zur Petition, die man immer noch unterstützen kann.
Petition als PDF ausdruckbar und auslegbar in Gemeinden.
Pressemeldung des Erzbischöflichen Ordinariats München
Pressemeldung von Wir sind Kirche.
Link zu Thesen Maria 2.0.


Diakon Willi Kuper überreicht Petition an Kardinal Marx (c) EOM (Lennart Preiss)


 

Ostern als Lebensweg - ein Näherungsversuch


Vielleicht werden wir nur besser verstehen, wenn wir nicht hängen bleiben in alten Gewohnheiten und Traditionen. Wenn wir unseren Blick weiten, dass es um mehr geht als einen einzelnen, den seinerzeit Römer hinrichteten, nur weil er konsequent seinem Lebensruf gefolgt ist und Mächtigen unbequem wurde.

Vielleicht werden wir besser verstehen, wenn wir nicht nur ein Grab im Orient im Blick haben, sondern die weltweiten Gräber, die durch alle Zeiten sich auftun, weil Menschen anderen Menschen das Leben nicht zugestehen.

Vielleicht werden wir besser verstehen, wenn wir die alltäglichen Gräber im Blick haben, die wir einander schaufeln durch unser Verhalten, unser Leben auf Kosten anderer, auf Kosten unseres Planeten, in unbegrenztem Streben nach Macht, Einfluss und Reichtum. Gräber als Sinnbild für alles, was Leben behindert und schlimmstenfalls vernichtet.

Wir werden besser verstehen, wenn wir ständig die vielen kleinen Situationen und Schritte der Weiterentwicklung betrachten als Wege der Hoffnung, die neues Leben ermöglichen. Wenn wir umkehren im Kleinen und uns wandeln in unserem täglichen Handeln, sodass zukünftiges Leben und Lebendigsein eine Chance bekommen. Wenn wir mit Gradlinigkeit Schritte des Friedens und der Versöhnung gehen und denen entgegentreten, die die Rechte der anderen mit Füßen treten. 

Wir werden besser verstehen, wenn wir einsehen, dass es auf alle ankommt, damit Glück für alle Realität wird, indem wir unsere kleinen Möglichkeiten ausschöpfen, um die Berge des Lebens zu versetzen. 

Wir werden besser verstehen, wenn wir nicht auf Wunder warten, sondern aus einer Vertrauen und Kraft schenkenden Hoffnung immer wieder neu beginnen, die unerschöpflichen Potentiale aus unendlichem Geliebtsein zu entdecken und ins Leben umzusetzen. Hoffnung über das endliche Leben hinaus.

                                                                                                            Paul-G. Ulbrich


 

Theologieprofessoren protestieren gegen Segnungsverbot

Mehr als 200 Theologieprofessoren und -professorinnen aus dem deutschen Sprachraum protestieren in einer Stellungnahme gegen das vom Vatikan erlassene Segnungsverbot für homosexuelle Paare. Die Erklärung der römischen Glaubenskongregation sei „von einem paternalistischen Gestus der Überlegenheit geprägt“ und diskriminiere homosexuelle Menschen und ihre Lebensentwürfe, heißt es in der Stellungnahme, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

den ganzen Bericht lesen sie hier

Stellungnahme und Unterschriftenliste


Glaube, Liebe, Ungehorsam

Seelsorgerinnen und Seelsorger wollen weiterhin homosexuelle Paare segnen - auch gegen die Weisung aus dem Vatikan.
Ordensschwester Katharina Ganz spricht über drohende dienstrechtliche Konsequenzen und die Spaltung der Kirche.

Lesen sie das Gespräch in der Süddeutschen Zeitung


 

Bischöfe stellen sich gegen Segnungsverbot

Die römische Glaubenskongregation hatte am Montag die Segnung homosexueller Paare in Deutschland verboten. Jetzt formiert sich Widerstand an der Spitze der katholischen Kirchenhierarchie.

Nach zahlreichen katholischen Gremien und Verbänden haben sich auch zwei katholische Bischöfe in scharfer Form gegen das Nein des Vatikans zur Segnung homosexueller Paare gewandt. "Es kann nur misslingen, eine Diskussion beenden zu wollen", sagte der Aachener Bischof Helmut Dieser am Freitagabend bei einer Diskussionsveranstaltung. "Das ist naiv und hat großen Schaden angerichtet. Wir müssen das als Bischöfe nach Rom tragen."

den ganzen Artikel lesen sie in der Süddeutschen Zeitung


 

OrdensFrauen für MenschenWürde unterstützen den Synodalen Weg

Unterscheidung - Gerechtigkeit - Mut


Im Sommer/Herbst 2018 hat sich eine Gruppe von Ordensfrauen aus dem Großraum München zur Gruppe OrdensFrauen für MenschenWürde zusammenefunden. Angesichts einiger Entwicklungen in Gesellschaft und Kirche wollten wir nicht länger schweigen, sondern in der Öffentlichkeit gemeinsam unsere Stimme erheben. Zunächst stand die Aufnahme von Flüchtlingen im Vordergrund, nachdem einzelne Gemeinschaften von uns schon jahrelang Frauen im Kirchenasyl beherbergt hatten. Doch schon bald kamen weitere wichtige Anliegen hinzu. So formulieren wir unsere Ziele im Frühjahr 2019 wie folgt:

•    Für die Würde eines jeden Menschen: für ein geschwisterliches Miteinander; für das Recht der Schwächeren; für Respekt und Dialog; für Gewaltfreiheit.

•    Für Solidarität mit den geflüchteten Menschen: für Kirchenasyl; für Bekämpfung der Fluchtursachen; für Klimaschutz; für einen Stopp der Waffenexporte.

•    Für Reformen in der Kirche: für ein gleichwertiges Miteinander von Frauen und Männern; für die konsequente Aufarbeitung von Missbrauchsfällen; für eine überfällige Überarbeitung der kirchlichen Sexuallehre; für die Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und Funktionen.

Eure Ziele sind unsere Ziele

Unsre Ziele aus „für Reformen in der Kirche“ korrespondieren mit den vier Foren des Synodalen Weges: Macht und Gewaltenteilung in der Kirche - gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag; Priesterliche Existenz heute; Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft; Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche. Diese weitgehende Übereinstimmung ist kein Zufall: der syno-dale Weg greift die Anliegen auf, die viele Reformgruppen, Verbände und Einzelne seit Jahren oder Jahrzehnten als Themen qualifizieren, die um des Evangeliums willen zu besprechen und zu bearbeiten sind.

Die Nachrichten, die wir über die erste Synodalversammlung im Januar 2020 gehört haben, haben uns ermutigt. Wir haben wahrgenommen, dass die Deutsche Ordensobernkonferenz 10 Personen entsenden konnte; darunter 7 Ordensfrauen. Auch dass es 15 „junge“ Leute in dieses Gremium geschafft haben, ist für uns ein positives Zeichen.

Seit März 2020 scheint jedoch der Synodale Weg aus verschiedenen Gründen etwas ausgebremst. Zu „Corona“ kamen, wie zu befürchten war, zahlreiche innerkirchliche Bremsversuche. Obwohl die Mehrheit vieler kompetenter und engagierter Christinnen und Christen und Bischöfe an diesem Reformprojekt mit viel Herzblut arbeitet, gibt es eine kleine aber lautstarke Minderheit, die Änderungen ablehnt. Auch den Papstbrief „An das pilgernde Volk Gottes“ vom Juni 2020 empfanden viele aus Deutschland als eher bremsend. Zunehmend mehren sich auch Stimmen, die diesem Reformversuch grundsätzlich jede Erfolgschance absprechen.

Wenn der Synodale Weg an Erneuerungswillen verlieren würde, wäre das ein fatales Zeichen für unsere Kirche wie für die Gesellschaft. Das darf nicht geschehen! Deshalb möchten wir OFMW sowohl die Bischöfe wie auch alle anderen Beteiligten am SW ermutigen, in der Stärke Gottes, im Sinne Jesu und getrieben von der heiligen Geistkraft weiter voran zu gehen.

Mit großem Interesse haben wir die Vorüberlegungen des Synodalforums 1 „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“ gelesen. Dieser Text korrespondiert in besonderer Weise mit einigen unserer Anliegen. Deshalb möchten wir dazu gerne Rückmeldung geben und damit die Reformkräfte in der Kirche und vor allem jetzt beim SW ermutigen und unterstützen.

Wir schreiben als Frauen, die aufgrund ihrer Berufung in dieser Kirche leben und sie mitgestalten wollen. Unsere Fragen an den Text waren: - Wo wird das für mich ernst? - Wo spüre ich Resonanz? - Wo kann ich frei atmen und spüre die befreiende Kraft des Evangeliums?

Frauen (in) der Kirche

Als Ordensfrauen lieben wir die Kirche --- trotz allem! Wir haben das Geschenk des Glaubens und unserer Berufung in der Kirche gefunden; und die Kirche ist neben der Gesellschaft der selbstver-ständliche Raum, in dem sich unser Leben abspielt. In diesem Raum gehen wir von dem christlichen Menschenbild aus, das auf der gleichen Würde aller Menschen als Brüder und Schwestern basiert. Zu diesem christlichen Ideal gehören aus theologischen Gründen die bedingungslose Annahme aller Menschen - unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung - und die Geschlechtergerechtigkeit.

Wir sind keine Anfängerinnen im Christsein und Ordensfrau-Sein und müssen bekennen, dass neben unserer immer noch bestehenden Begeisterung eine erhebliche Ernüchterung hinsichtlich der Erstarrung und ein nachhaltiger Schock über den vielfältigen Missbrauch innerhalb der Kirche getreten sind: Leider mussten wir im Verlauf unseres Lebens lernen, dass zwischen Evangelium und Praxis in der Kirche, auch ausgehend vom Kirchenrecht, ein „garstig breiter Graben“ ist. Wir meinen damit nicht die normale Spannung zwischen Ideal und Realität, sondern die Entwicklung der Kirche in den letzten 200 Jahren, in denen die kath. Kirche sich zu einem Männer-Macht-Bündnis entwickelte, das „störende“ Denkformen und Menschen ausschloss. Wir denken da beispielsweise an Themen wie Demokratie, Gender, Sexuallehre, Selbstbestimmung, Gewissensfreiheit, Ökumene, Dialog der Religionen, Menschenrechte.

Das Zweite Vatikanische Konzil und die Würzburger Synode schlugen wohltuende Brücken zur „Welt“, aber dieser Aufbruch wurde nicht konsequent weiterverfolgt. Diese Lücke wird gleich am Anfang des o.g. Papiers betont. Es erklärt, dass die Kirche von ihrem Auftrag her berufen ist, sowohl dem Evangelium wie den „Zeichen der Zeit“ zu entsprechen und dass sich deshalb viele Strukturen in der Kirche verändern müssen. Das Bemühen um eine ständige Erneuerung ist kein Luxus, sondern entspricht dem Auftrag der Kirche. Wir wissen inzwischen, dass ein „Kirchenver-ständnis, das sich durch eine Aufladung des Weiheamtes als „heilige Gewalt“ (sacra potestas) auszeichnet, eingebunden in eine Hierarchie, in der einseitig die Gläubigen von Priestern als abhängig gesehen werden. … keineswegs Ausdruck einer jahrhundertelangen und bewährten Tradition [ist], sondern auf weite Strecken eine neue Erfindung nach der Aufklärung.“

Unterscheidung

Unsere Erfahrung ist, dass die Begründung der Vollmacht des Amtes mit dem Willen Gottes viel Schaden angerichtet hat und weiterhin Schaden anrichtet. Deshalb schrillen bei uns die Alarmglocken, wenn der Wille Gottes zur Zementierung von Macht missbraucht wird. Ein Beispiel dafür, wie in der Kirche Gutes in Böses verkehrt werden kann, ist im Text die „Spiritualität des Gehorsams“. Tatsächlich brachte Gehorsam, religiös verbrämt, Infantilität, Manipulation, Willkür und Unterdrückung hervor. Das ist klar missbräuchlich und dagegen muss angegangen werden. Von einem solchen Gehorsamsverständnis möchten wir uns als Ordensfrauen natürlich deutlich distanzieren. Einen solchen Gehorsam hat keine von uns gelobt!

Leider haben aber durch Missbrauch viele eigentlich wertvolle und christliche Haltungen, Ideale und Werte ihre positive Bedeutung verloren: Wir denken da an die evangelischen Räte insgesamt, an Begriffe wie Demut, Dienen, Selbstbeherrschung, Opfer, … Auch Macht ist ja per se nicht schlecht, aber wenn Macht verschleiert oder missbraucht wird….

Wir können unterstreichen, dass die Krise der Kirche hausgemacht ist - und nicht von der „bösen Welt“ verursacht: Also nicht von außen in die Kirche hineingetragen, sondern durch Strukturen verursacht, die Macht falsch einsetzen und so Missbrauch begünstigen. Diese Schuldgeschichte muss angeschaut werden, auch wenn das nicht immer einfach ist. Ein Problem dabei ist das fehlende Unrechtsbewusstsein einiger (oder vieler) Täter. Hier muss die Gemeinschaft der Kirche auf die Betroffenen hören und notfalls systemfremde Fachleute heranziehen.

Gerechtigkeit

Wir erwarten ein klares Bekenntnis zur eigenen Schuld und tätige Reue. Dabei darf auf keinen Fall weiterhin der Eindruck entstehen, die Verantwortlichen reagierten nur auf Druck von außen. Wir wünschen uns eine Kirche, die nicht vertuscht, verschweigt, herunterspielt. Die Motivation dazu nehmen wir aus dem Evangelium und halten nichts davon, durch falsche Trostpflaster das Ver-trauen der Menschen wieder gewinnen zu wollen.

Dabei nehmen wir uns selbst nicht aus und sehen inzwischen, dass wir Unrecht viel zu oft hingenommen haben: Wir haben als „Schafe“ die „Hirten“ gewähren lassen, statt Widerstand zu leisten. So wurden wir wie viele Christinnen und Christen zu Ko-Klerikalen, die zu wenig auf ihr eigenes Gewissen hören.

Kirchliche Strukturen sind ebenso für den noch nicht genügend angeschauten und aufgearbeiteten spirituellen Missbrauch verantwortlich. Hier gibt es in der Kirche in Deutschland noch viel zu tun. Für alle Betroffenen wünschen wir Anerkennung des Leids und Gerechtigkeit! Nicht länger darf über die Betroffenen gesprochen werden, sondern mit ihnen: Deshalb begrüßen wir, dass in der letzten Vollversammlung endlich Betroffene zu Wort gekommen sind.

Als Ordensfrauen, die internationalen Gemeinschaften angehören, denken wir in besonderer Weise auch an unsere Mitschwestern in der ganzen Welt. Was Ordensfrauen weltweit angetan wurde und wird, ist himmelschreiend. Wenn der SW in Deutschland für die deutsche Kirche mehr Gerechtigkeit schaffen könnte, wäre das ein Anfang, der (Ordens-)Frauen weltweit helfen könnte.

Wegen der Dringlichkeit einer Antwort auf diese „existentielle Krise“ der Kirche und weil inzwischen ein Stau an Reformen die Zukunft der Kirche beeinträchtigt, reichen Vertröstungen und kleine „Reparaturen“ nicht mehr aus; es braucht „echte Reformen“ und verbindliche Entscheidungen.

Mit der Erfahrung des Nicht-gesehen-werdens von Frauen haben wir uns gut wiedergefunden im Abschnitt über „prekäre Konzepte von Macht“. Unsere Erfahrung ist: Sollte frau in der Kirche aktiv sein wollen, muss sie wissen: Es gibt die „gläserne Decke“. Sie ist zwar unsichtbar und wird oft totgeschwiegen, doch sie verhindert nicht selten, dass Berufungen und Charismen in angemessener Weise eingebracht werden können.

Ein Bischof hat im Jahr 2020 die Aufgabe einer Frau in einer relativ hohen Position im Ordinariat des Bistums so qualifiziert: „Sie soll mir den Rücken freihalten“. Nun sind wir je nach Situation gern bereit, das zu tun, aber wenn das das einzige ist, was uns zugestanden wird? Wir erleben, dass wir beten, zuarbeiten, ausbessern, Kohlen aus dem Feuer holen dürfen … Dass eine Untersekretärin im Vatikan Stimmrecht bei einer Bischofssynode erhält oder dass die deutschen Bischöfe unter dem Druck der Öffentlichkeit eine Frau zur neuen Generalsektretärin ernennen, ist ein längst überfälliger, aber immer noch winziger Schritt in die richtige Richtung.

Wir bezweifeln, dass Kirchenmänner wissen, wozu wir berufen sind und wozu nicht! So ist es drin-gend nötig, dass Dienste (bisher Frauen zugeordnet) und Ämter (bisher nur für Männer) neu definiert werden. Das setzt voraus, dass die Zuordnung von allgemeinem und besonderem Priestertum neu gedacht, Gewalt geteilt und Ämter geschlechtergerecht ausgeübt werden. Dazu gehört auch, wie im Arbeitspapier angemahnt, eine solide Trennung von sakramentaler Vollmacht und Leitungsmacht.

Mut

Im von Sr. Philippa Rath OSB herausgegebenen Buch „Weil Gott es so will“ bekennen viele Frauen, dass sie trotz vieler Hindernisse und Schwierigkeiten priesterliche Funktionen ausüben. Keine dieser Frauen will jedoch in den vorherrschenden Klerikalismus hineingeweiht werden. Erforderlich ist eine Neugestaltung des Systems.

Auch ein neues, charismen-orientiertes Konzept von Entscheidungsfindung muss entwickelt wer-den. In diesem Zusammenhang weisen wir auf die spirituelle Tradition der Kirche hin, die durch Ordensleute gelebt wurde und wird und Einzelnen wie Gruppen hilft, ihr persönliches Christ*in-Sein zu verwirklichen. Wir denken da an Stichworte wie „Gewissensbildung“, „Unterscheidung der Geister“, „sexuelle und spirituelle Selbstbestimmung“, christliche Erfahrung“, „Spiritualität“ und „Mystik“.

Inzwischen gibt es in einigen Diözesen Frauenförderpläne, und manche Bischöfe sind stolz, wenn in ihren Ordinariaten Frauen an hohen Stellen arbeiten. Das sind erste Schritte in Richtung Partizipation und Gewaltenteilung. Wir sagen dazu: Schön, weiter so, das ist der Anfang und weitere Schritte müssen kommen…. Anzustreben wäre also, wie es das Papier formuliert, eine Zusammenarbeit aller im Dienste einer Pastoral, in der nach den Kriterien Berufung und Eignung entschieden wird.

Unser Fazit: Ja, der Synodale Weg kann und muss – um Gottes und der Menschen willen – ein Erfolg werden. So wünschen wir allen Beteiligten die Hilfe von Gottes lebenspendender Geistkraft.


München, 28.02.2021
OrdensFrauen für MenschenWürde

Sr. Susanne Schneider MC, München
Sr. Hilmtrud Wendorff CJ, Nürnberg

https://ofmw.webflow.io/

 




Spannungsfeld Kirche - Maria 2.0 und herkömmliche Gemeinden


Einerseits sind Veränderungen in der katholischen Kirche gewollt, andererseits herrscht Unverständnis. Eine geschlechtergerechte Kirche, in der alle Menschen Zugang zu Weiheämtern haben, und die Abschaffung des Pflichtzölibats sind unter anderem Forderungen der Bewegung Maria 2.0, die mit ihren Thesen am vergangenen Wochenende für Veränderungen sensibilisieren wollten. Im Landkreis Erding ist von dieser Bewegung nicht viel zu spüren gewesen.

Lesen sie weiter in der Süddeutschen Zeitung


 

 Thesenanschlag 2.0

Neuer Thesenanschlag nach 500 Jahren 


Thesenanschlag SR A.A.E.A.L.2
Elisabeth Stanggassinger war dabei, als die Frauen von Maria 2.0 ihre Thesen an die Kirchentüren schlugen. (Foto: privat)

 

 

Wir hängen unsere Thesen für eine lebendige Kirche an Dom- und Kirchentüren. Mit diesem Thesenanschlag im gesamten Bundesgebiet weisen wir auf die eklatanten Missstände in der katholischen Kirche hin und untermauert damit unsere Forderungen nach Reformen hin zu einer zukunftsfähigen, geschwisterlichen und vielgestaltigen Kirche.
Bilder aus allen Ecken und Enden der Republik und weitere Informationen zu dieser Aktion finden sich hier.

 

 

An alle Menschen, die guten Willens sind!

1. #gerecht – gleiche Würde – gleiche Rechte
In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern. Denn Menschenrechte und Grundgesetz garantieren allen Menschen gleiche Rechte – nur die katholische Kirche ignoriert das. Mannsein begründet heute Sonderrechte in der Kirche.

2. #partizipativ – gemeinsame Verantwortung
In unserer Kirche haben alle teil am Sendungsauftrag; Macht wird geteilt. Denn der Klerikalismus ist heute eines der Grundprobleme der katholischen Kirche und fördert den Machtmissbrauch mit all seinen menschenunwürdigen Facetten.

3. #glaubwürdig – respektvoller Umgang und Transparenz
In unserer Kirche werden Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Ursachen werden konsequent bekämpft. Denn viel zu lange schon ist die katholische Kirche ein Tatort sexueller Gewalt. Kirchliche Machthaber halten immer noch Informationen zu solchen Gewaltverbrechen unter Verschluss und stehlen sich aus der Verantwortung.

4. #bunt – leben in gelingenden Beziehungen
Unsere Kirche zeigt eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft. Denn die offiziell gelehrte Sexualmoral ist lebensfremd und diskriminierend. Sie orientiert sich nicht am christlichen Menschenbild und wird von der Mehrheit der Gläubigen nicht mehr ernst genommen.

5. #lebensnah – ohne Pflichtzölibat
In unserer Kirche ist die zölibatäre Lebensform keine Voraussetzung für die Ausübung eines Weiheamtes. Denn die Zölibatsverpflichtung hindert Menschen daran, ihrer Berufung
zu folgen. Wer diese Pflicht nicht einhalten kann, lebt oft hinter Scheinfassaden und wird in existentielle Krisen gestürzt.

6. #verantwortungsvoll – nachhaltiges Wirtschaften
Unsere Kirche wirtschaftet nach christlichen Prinzipien. Sie ist Verwalterin des ihr anvertrauten Vermögens; es gehört ihr nicht. Denn Prunk, dubiose Finanztransaktionen und persönliche Bereicherung kirchlicher Entscheidungsträger haben das Vertrauen in die Kirche tiefgreifend erschüttert und schwinden lassen.

7. #relevant – für Menschen, Gesellschaft und Umwelt.
Unser Auftrag ist die Botschaft Jesu Christi. Wir handeln danach und stellen uns dem gesellschaftlichen Diskurs. Denn die Kirchenleitung hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Sie schafft es nicht, sich überzeugend Gehör zu verschaffen und sich im Sinne des Evangeliums für eine gerechte Welt einzusetzen.
Thesen maria 2.0

Thesenanschlag latein


 

Screenshot 2021 02 26 PM Katholisches Laienbndnis appeliert an die deutschen Bischfe indd PM Katholisches Laienbndnis

Pressemitteilung

Katholisches Laienbündnis appelliert an die deutschen Bischöfe: „Verspielen Sie die letzte Chance nicht!

22. Februar 2021.
Anlässlich der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 23. bis 25. Februar 2021 richten katholische Frauenverbände, Betroffenengruppen und Reforminitiativen einen eindringlichen Appell an die deutschen Bischöfe. Das katholische Laienbündnis hält konstruktive Dialoge und Perspektiven, besonders hinsichtlich des Synodalen Weges, für dringend erforderlich: „Solange nicht eine ehrliche, offene und vollständige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in allen deutschen Bistümern auf wissenschaftlich hohem Niveau und gleichem Standard erfolgt, werden die Reformbemühungen des Synodalen Weges ins Leere laufen.

Sexualisierte Gewalt
Das Bündnis fordert eine objektive, unabhängige und vollständige Aufarbeitung der Miss-brauchsfälle in der katholischen Kirche sowie eine strafrechtliche Verfolgung der Täter, eine kirchenrechtliche Ahndung der Vertuscher und die Aufklärung durch staatliche Stellen – wenn dies noch möglich ist: „Nehmen Sie die Betroffenen ernst – anstatt sich selbst als Opfer darzustellen! Sexualisierte Gewalt und das erfahrene Leid sind nicht wiedergutzumachen. Deshalb ist es das Mindeste, die Taten aufzuklären und aufzuarbeiten, die Verantwortlichen für mögliche Vertuschungen zu benennen und die Betroffenen angemessen zu entschädigen.“

Sexualmoral
„Die Kirche braucht einen neuen und positiven Zugang zur Sexualität, ihrer bewussten Gestaltung und der Tatsache, dass Sexualität zum Leben gehört. Heterosexuelle, Lesben, Schwule, trans- und intergeschlechtliche Menschen – alle gehören gleichwertig zu unserer Kirche. Es darf hier keine Verurteilungen und Diskriminierungen mehr geben.“

Gleichberechtigung
„Der Zugang zu allen Diensten und Ämtern darf nicht mehr nur Männern vorbehalten bleiben. Dies widerspricht dem christlichen Menschenbild und den Allgemeinen Menschenrechten. Allen Menschen muss endlich der Zugang gewährt werden. Es gibt keinen Grund, jemanden kategorisch auszuschließen. Berufung ist keine Frage des Geschlechts.“

Machtstrukturen
„Klerikale Machtstrukturen tragen immer die Gefahr des Machtmissbrauchs in sich; sie müssen endlich aufgebrochen und verändert werden. Kirche soll ein Ort für alle Menschen sein und nicht hierarchisches Machtkonstrukt weniger Einzelner. Synodale und partizipative Strukturen sind deshalb jetzt gefordert, bei denen sich viele einbringen können und gemeinsam Verantwortung übernehmen.“

Angesichts sehr unterschiedlicher Positionen innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz appelliert das Laienbündnis an die deutschen Bischöfe: „Wir – als großer Teil des Kirchen-volks – sind gemeinsam auf einer Linie. Die Zeit des Hinhaltens, des Vertuschens, der immer noch schleppenden Aufklärung sexualisierter Gewalt und der toxischen Machtstruk-turen muss endgültig vorbei sein.

Notwendig sind jetzt klare Worte und – vor allem – deutliche Taten, durch die die Kirche wieder glaubwürdig und positiv erlebt werden kann.“

In Anbetracht der steigenden Kirchenaustrittszahlen stellen die Akteur*innen abschließend die mahnende Frage an die Bischöfe: „Welche Zukunft hat die Kirche ohne Gläubige?“ Das Bündnis appelliert eindringlich: „Verspielen Sie die letzte Chance nicht!“

Informationen zu den beteiligten Akteuren und Download der Pressemitteilung


 

Köln ist überall


Während Bischöfe über Kirchenaustritte reden, machen Betroffene von sexuellem Missbrauch klar, dass sie die Täter nicht davonkommen lassen wollen. Doch in vielen Bistümern hakt es bei der Aufklärung.

ein Beitrag dazu in der Süddeutschen Zeitung


 

 

Internationaler Tag der Menschenrechte (10. Dezember)

Katholische Reformgruppen: „Für Menschenrechte und für Grundrechte auch in der Kirche!“

Pressemitteilung, 6. Dezember 2020

Anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte fordern römisch-katholische Reformgruppen erneut die Umsetzung der Menschenrechte auch innerhalb der römisch-katholischen Kirche ein.

Der absolute Ausschluss der Frauen von Weiheämtern, das Heiratsverbot für Priester sowie die Forderung der Enthaltsamkeit an homosexuelle Menschen widersprechen in eklatanter Weise den individuellen Menschenrechten wie auch dem biblisch geprägten Menschenbild.

Zur Unterstreichung dieser Rechte sollte der Vatikan endlich die Deklaration der Menschenrechte mittels eines offiziellen Dekretes übernehmen und sich für deren weltweite Umsetzung verstärkt einsetzen.

Auch wenn die Menschenrechte nach der Französischen Revolution ursprünglich gegen den Widerstand der Großkirchen durchgesetzt wurden, haben sie bezüglich Freiheit, Gleichheit und Solidarität durchaus auch christliche Wurzeln. Die Gleichstellung von Männern und Frauen ist ganz explizit in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte genannt, die zunächst von Papst Johannes XXIII. und vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) anerkannt worden sind.

Charta für Grundrechte in der Kirche

Mit der Charta für Grundrechte in der Kirche des International Church Reform Networks (ICRN) werden alle Katholiken und Katholikinnen aufgerufen, die Einhaltung der Menschenrechte in allen kirchlichen Gemeinschaften auf allen Ebenen zu beachten. Dies gelte besonders für die Leiter der Kirche. Die Rechte müssten schriftlich festgehalten und bei unabhängigen Gerichten einklagbar sein.

Die auf der ICRN-Konferenz (icrn.info) 2018 in Bratislava beschlossene und 2019 in Warschau bekräftigte Charta für Grundrechte in der Kirche umfasst 15 konkrete Punkte wie die Gleichberechtigung aller Katholiken und Katholikinnen; die Meinungsfreiheit; das Recht auf und die Verpflichtung zur Teilnahme an der eucharistischen Gemeinschaft und Seelsorge; wirkliche Teilnahme und Teilhabe an Entscheidungen – auch in der Wahl ihrer Vorgesetzten; notwendige und gerechte Verfahren, wenn Anklagen vorliegen; den Schutz von Kindern und anderen Betroffenen.

Frauenwürde e.V.: Annegret Laakmann, Tel: 02364 5588
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Freckenhorster Kreis: Pfr. em. Ludger Funke, Tel.:  02508 9946917
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Gemeindeinitiative: Paul-G. Ulbrich, Tel: 08141 7842
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Maria 2.0: Andrea Voß-Frick
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Münchner Kreis: Ulrike Leininger, Tel: 089 6122369
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Ordensfrauen für Menschenwürde: Sr. Karolina Schweihofer, Tel: 0176 30124012
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Pfarrer-Initiative Deutschland: Pfr. i.R. Max Stetter, Tel: 0821 2436501
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Priester im Dialog: Dr. Edgar Büttner, Tel: 08061 36874
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Priester ohne Amt Österreich: Herbert Bartl, Tel: +43 69911827353.
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pro concilio: Birgit Kälberer, Tel: 0711 5053810
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Renate Spannig (ND-Christsein.heute): Tel: 0176 43125959
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Wir sind Kirche Deutschland: Magnus Lux, Tel: 0176 41707725
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Wir sind Kirche Österreich: Dr. Martha Heizer, Tel. +43 650 4168500
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Pressekontakt: Christian Weisner, Tel. 0172 5184082
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"Pflichtlektüre": So reagiert die Weltkirche auf "Fratelli tutti"


Unter den deutschen Bischöfen stieß die neue Sozialenzyklika "Fratelli tutti" von Papst Franziskus auf positive Stimmen. Doch das Schreiben hat internationale Bedeutung für 1,3 Milliarden Katholiken – und darüber hinaus. Auch die Bischöfe in anderen Ländern äußern sich.

Einen Überblick lesen sie hier beim Domradio


 

 

"Teile der Menschheit scheinen geopfert werden zu können"

Papst Franziskus sieht durch die Pandemie Fragen nach Menschenwürde und Gerechtigkeit verschärft. Er ruft zu neuer "Geschwisterlichkeit" auf - und wendet sich gegen Nationalismus sowie die Ausgrenzung von Flüchtlingen und Alten.

"Ein einsamer Papst spendet im Regen auf dem menschenleeren Petersplatz den Segen "Urbi et Orbi": Während des Corona-Lockdowns im März in Italien war dies ein wirkmächtiges Bild für die Einzigartigkeit der Krise. Nun hat Papst Franziskus einige Gedanken dieser Zeit in ein knapp 150-Seiten starkes Dokument gegossen: "Fratelli Tutti - Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft", die dritte Enzyklika seines Pontifikats."

schreibt Annette Zoch in der Süddeutschen Zeitung

https://www.sueddeutsche.de/politik/papst-franziskus-enzyklika-fratelli-tutti-corona-1.5053631