Reformgruppen zur DBK-Vorsitz-Wahl

„Diese Wahl ist keine Routineentscheidung“

Gemeinsame Pressemitteilung katholischer Reformgruppen  zur Wahl des neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK)

Würzburg, 23. Februar 2026

Die Neuwahl des Vorsitzenden der DBK ist keine „0815-Wahl“, sondern findet inmitten einer tiefen Kirchenkrise statt – geprägt von Vertrauensverlust nach der Missbrauchskatastrophe, schleppender Reformumsetzung, massiven Kirchenaustritten und wachsender innerer wie äußerer Polarisierung. Wer diese Wahl auf eine Personalfrage reduziert, verkennt ihre kirchenpolitische Tragweite.

Der Verzicht von Bischof Dr. Georg Bätzing auf eine zweite Kandidatur ist deshalb sehr bedauerlich und stellt ein großes Risiko für künftige Reformen dar. Er zeigt zugleich die strukturellen Grenzen dieses Amtes auf, denn das Amt des Vorsitzenden ist kein Leitungsamt mit Durchgriffsrechten, sondern wesentlich auf Moderation angewiesen. Genau darin liegt das Dilemma: Verantwortung wird personalisiert, Macht bleibt kollektiv gebunden – und Blockade ist jederzeit möglich. Bischof Bätzing fand seine Grenzen nicht zuletzt am Widerstand aus Rom, am demonstrativen Ausstieg einzelner Bischöfe aus gemeinsamen Reformprozessen, an der trägen Zurückhaltung zahlreicher Amtsbrüder, an unzureichender Umsetzung synodaler Beschlüsse sowie am beredten Schweigen vieler Weihbischöfe. Die kirchenrechtlich bewusst eng gesetzten Kompetenzen des Vorsitzenden sind Teil dieses Problems.

Gegen Wende rückwärts Kirche und Gesellschaft

Innerkirchlich gewinnen Kräfte an Einfluss, die unter dem Schlagwort „Lehrtreue“ autoritäre Leitungsmodelle, klerikale Machtkonzentration und eine Rückabwicklung synodaler Prozesse propagieren. Reformbeschlüsse werden relativiert, verzögert oder faktisch ausgebremst. Gleichzeitig erstarken gesellschaftlich nationalistische und demokratiefeindliche Strömungen, die religiöse Sprache instrumentalisieren, um Ausgrenzung zu legitimieren. Ein Schulterschluss von religiösem Fundamentalismus und politischem Autoritarismus widerspricht dem Evangelium ebenso wie der katholischen Soziallehre. Wie Bischof Bätzing muss auch der neue Vorsitzende diesem Rechtsruck entschieden widerstehen – innerkirchlich wie gesellschaftlich. Doch er kann das nur, wenn ihn die Mehrheit der Bischöfe mitträgt.

Reform ist keine Option, sondern Verpflichtung.

Der Synodale Weg hat grundlegende Texte verabschiedet: zur Stärkung von Teilhabe und Transparenz, zum Abbau klerikaler Machtstrukturen, zur Beteiligung von Laien, zur Öffnung kirchlicher Dienste und Ämter, zur Weiterentwicklung der Sexualmoral sowie zu neuen Perspektiven auf Zölibat und priesterliche Lebensform. Diese Beschlüsse sind keine unverbindliches Diskussionspapiere, sondern Ausdruck eines verbindlichen Reformwillens. Ihre bislang zögerliche oder uneinheitliche Umsetzung seitens der Bischöfe beschädigt Glaubwürdigkeit und Vertrauen der gesamten Kirche weiter.

Forderung an die Gesamtheit der Bischöfe.

Die Bischöfe müssen einen Nachfolger wählen, der Missbrauchsaufarbeitung und Reformprozesse mindestens ebenso entschieden – wenn nicht sogar noch entschiedener – vorantreibt wie sein Vorgänger. Und sie müssen den neuen Vorsitzenden deutlich stärker unterstützen, als sie es bislang getan haben. Wenn interne Machtspiele, taktisches Abwarten oder römische Rücksichtnahmen erneut dazu führen, dass Beschlüsse versanden, wären die Anstrengungen des Synodalen Weges weitgehend entwertet und die Austrittszahlen werden weiter steigen.

Ein neuer Vorsitzender muss darüber hinaus ausdrücklich bereit sein, sich an gemeinsam mit Laien getroffene Entscheidungen zu halten. Synodalität darf kein konsultatives Feigenblatt bleiben, sondern muss reale Mitverantwortung und geteilte Entscheidungsgewalt bedeuten. Wer Beteiligung verspricht, sich im Ernstfall aber auf hierarchische Letztentscheidungsrechte zurückzieht, untergräbt Glaubwürdigkeit und Vertrauen erneut.

Die katholische Kirche in Deutschland braucht daher nicht nur einen mutigen Vorsitzenden, sondern ein mutiges Episkopat mit einer Leitung, die Synodalität nicht nur moderiert, sondern vorantreibt  und lebt. Die anstehende Wahl entscheidet nicht allein über eine Personalie, sondern darüber, ob die römisch-katholische Kirche in Deutschland den Weg glaubwürdiger Erneuerung weitergeht – oder in innerer Lähmung und kulturkämpferischer Selbstverengung verharrt.

Deshalb fordern wir die Deutsche Bischofskonferenz auf, sich diese Verantwortung bewusst zu machen und zukunftsorientiert zu wählen.

Unterzeichnende Reformgruppen und Kontakte

Freckenhorster Kreis  
Ludger Ernsting, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Gemeindeinitiative.org
Willi Genal, Elisabeth Stanggassinger, Paul-G. Ulbrich 
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 01578 8455612

Initiative Münchner Kreis, eine Intiative von den in der Pastoral Tätigen der Erzdiözese München-Freising
Ulrike Leininger, Sprecherteam: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Initiative Sauerteig
Rosi Mittermeier, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Initiativgruppe vom Zölibat betroffener Frauen
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Katholisches LSBT+ Komitee 
Renée Zentiks, Markus Gutfleisch, Hendrik Johannemann 
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 0151 112 63 998

Maria 2.0
Altfrid Norpoth, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!: 0151 4183 6774

Maria 2.0 Augsburg   
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Maria2.0 Rheinland
Dorothee Arbogast-Bücken, Maria Mesrian. 
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meinGottdiskriminiertnicht
Lisa Baumeister, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.  
Thomas Pöschl, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 0163-7753581

OutInChurch e.V.
Rainer Teuber, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Pfarrer-Initiative Deutschland: Max Stetter
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Priester im Dialog
Dr Edgar Büttner, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 08061-36874

pro concilio
Dr. Martin Schockenhoff, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 0173 3248913

Regenbogenforum e.V. – Christliche LSBTIQ*-Gruppen in Deutschland
Wolfgang Perlák (er/ihn) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 0176 - 53233338

Synodal-in-Augsburg
Uli Spindler, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Wir sind Kirche Bundesteam
Sigrid Grabmeier, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 0170 86 26 290
Christoph Schomer, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 0177 764 80 94    
Christian Weisner (vom 23. bis 25. Februar in Würzburg vor Ort)
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!    0172 518 40 82



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